Bauland wird in deutschen Städten knapp

In Deutschlands Städten wird Bauland trotz vorhandener freier Flächen knapp. Fachleute
und Wohnungsbaubranche empfehlen daher, mehr Agrarland und sonstige Flächen in Bauland
umzuwandeln. „Genug Land ist prinzipiell vorhanden“, sagte Michael Voigtländer, Immobilienexperte am
Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). „Aber die rechtlichen Vorgaben, die Eigentumsverhältnisse und
auch der Widerstand der Bürger machen es oft schwer, das dringend benötigte Bauland zu
gewinnen.“ Der Verband der bayerischen Wohnungswirtschaft spricht von einem „Riesenproblem“.

Mangel mit paradoxen Folgen

Viele Kommunen haben in den vergangenen 20 Jahren zwar vorzugsweise nicht mehr genutzte
Industrie- und Bahnanlagen, Bundeswehrgelände oder sonstige Brachen in Bauland umgewandelt. Diese
Reserven neigen sich aber nun dem Ende zu. „Es gibt nicht mehr viele Industriebrachen und alte Kasernen, die
man relativ leicht bebauen kann“, sagt Kroner. Dabei ist nicht einmal das dicht besiedelte München
vollständig bebaut: Etwa 20 Prozent des Stadtgebiets sind freie Flächen, großenteils Ackerland und Wälder. Und im
Umland der Landeshauptstadt gibt es unbebauten Grund in Fülle.

Der Mangel an bebaubaren Grundstücken hat eine paradoxe Folge. Auf den wenigen verfügbaren Flächen in
den Städten wird weniger gebaut als eigentlich möglich wäre. Der Grundstückskauf ist vielerorts so teuer
geworden, dass sich der Bau von Mietshäusern nicht mehr rechnet. „Hohe Grundstückspreise lassen
einen frei finanzierten Wohnungsneubau zu bezahlbaren Mieten vielfach nicht mehr zu“, heißt es in einer Mitte
September publizierten Studien des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Protest gegen Neubaugebiete

Als Gegenmittel plädierten die Experten des Instituts unter anderem dafür, zusätzliches Bauland am
Rand der Großstädte zu schaffen – eine in Fachkreisen verbreitete Einschätzung: „Wichtig ist es daher,
neues Baurecht zu schaffen, zum Beispiel durch Umwidmung von Ackerflächen, Weiden oder alten
Industrieflächen“, sagt IW-Experte Voigtländer. Doch das ist schwierig. Erschwert wird die Lage oft durch
Widerstand von Bewohnern gegen Neubaugebiete.

„Bei jedem Bauvorhaben kommen von den Bürgern sofort Proteste, Proteste, Proteste“, sagt Kroner.
„Die Umwandlung von Agrarland in Bauflächen gehen viele Gemeinden ungern an, weil das ebenfalls sofort Proteste
gibt.“ Und solange die Baulandpreise stetig steigen, gibt es nach Kroners Einschätzung für private Grundbesitzer
wenig Motivation, diese zu verkaufen.

Quellen: n-tv.de, jgu/dpa

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