Teures Land von Nord bis Süd

Häuslebauer müssen auch dieses Jahr mit steigenden Grundstückspreisen planen. Zum Problem gerät vor allem
eine stagnierende Grundstücksvergabe. Ein „unangenehmer Nebeneffekt“ verschärft die Lage zusätzlich.

Im südöstlichen Thüringen könnte man mit der Summe laut einem Immobilienbericht sogar Landbesitzer werden –
ein Quadratmeter Baufläche koste dort im Mittel zehn Euro. In einigen Gegenden des Saale-Orla-Kreises sind es auch
rund 50 Euro. Aber von München ist das noch immer weit entfernt: Dort müssen Bauherren rund 1.600 Euro
hinblättern. Dass Wohnraum vor allem in deutschen Großstädten knapp ist, merkt man nicht mehr nur an den
Häuserpreisen. Bauland habe sich weiter verteuert, sagt Anja Diers vom Arbeitskreis der amtlichen
Gutachterausschüsse. „München hat immer Spitzenpreise.“ Aber auch in anderen Städten fielen hohe Preise an. In
Wiesbaden etwa sind es laut Bericht 840 Euro pro Quadratmeter, in Hamburg 480 Euro.

Die Experten haben für ihren neuen Bericht Kaufverträge ausgewertet. Insgesamt wechselten im vergangenen
Jahr Immobilien und Grundstücke für rund 237,5 Milliarden Euro die Besitzer. Der Trend: Vor allem Wohneigentum in
Städten ist nochmals teurer geworden. Die Zinsen seien weiter niedrig, sagt Diers. Und das Wohnangebot ist
vor allem in Städten knapp, weil dort viele Menschen hinziehen.

Längst steigen auch die Preise für Bauflächen. Das zeigt sich etwa, wenn jemand ein kleines Eigenheim bauen will.
Für ein Grundstück im mittleren Preissegment mussten Bauherren im bundesweiten Mittel 108 Euro pro
Quadratmeter zahlen – 16 Euro mehr als noch 2014. Und mit großen regionalen Unterschieden.

Warum werden also nicht mehr Flächen ausgewiesen? Experten sehen verschiedene Gründe. „Viele Kommunen
haben gar nicht mehr die Flächen. Denken Sie an Frankfurt oder München“, sagt Matthias Waltersbacher vom
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Grundstücke seien nicht beliebig multiplizierbar. Jede
Kommune habe eine etwas andere Situation. Manchmal gebe es auch Bedenken der Bürger. „Wer möchte gerne eine
Baustelle für Jahre vor dem eigenen Haus haben?“

Auch der Immobilienexperte Michael Voigtländer vom arbeitgebernahen Forschungsinstitut IW Köln sieht
mehrere Aspekte. Die Kommunen täten sich schwer, Bauland auszuweisen, weil sie Umweltbeeinträchtigungen und
Proteste von Bürgern fürchteten oder es restriktive Vorgaben auf Landesebene gebe, schrieb Voigtländer in einem
Gastbeitrag der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Dass Bauland so knapp sei, habe auch noch einen anderen „unangenehmen Nebeneffekt“. Denn die hohen
Preise führten dazu, dass auch private Eigentümer ihre Grundstücke zurückhielten, schreibt Voigtländer. Wenn das
Land so schnell im Preis steige, lohne das Warten.

Auch Waltersbacher vom BBSR erklärt, dass sich Eigentümer zum Teil bewusst mit dem Verkauf zurückhielten.
Manche Besitzer wüssten auch nicht, wie sie den Verkaufsgewinn in Zeiten niedriger Zinsen überhaupt anlegen
sollten. „Wir haben ja auch einen Anlagenotstand. Sachwerte sind besonders gefragt.“

Quelle: n-tv.de

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