Studenten­wohnungen in deutschen Universitäts­städten werden teurer

Es ist günstiger als eine Ein-Zimmer-Wohnung, man ist erst einmal nicht allein zu Haus und findet im Notfall etwas Essbares im Kühlschrank: Wohngemeinschaften sind beliebt, besonders unter Studierenden. Doch auch das Leben in einer WG kostet immer mehr Geld. Das zeigt eine Analyse des Berliner Forschungsinstituts Empirica zu Beginn des Sommersemesters 2018.

Demnach ist die durchschnittliche Warmmiete für ein unmöbliertes WG-Zimmer vom Sommersemester 2012 bis zum März 2018 von 287 Euro auf 372 Euro pro Monat gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von etwa 30 Prozent. Die Untersuchung beruht auf mehr als 100 000 Mietinseraten für Zimmer in einer Wohngemeinschaft in mehr als 120 untersuchten Städten. Halbjährlich ermittelt werden jeweils der mittlere Wert sowie die Preisspanne der Warmmiete eines unmöblierten WG-Zimmers, das zwischen 10qm und 30qm groß ist.

„Wie viel für ein WG-Zimmer zu zahlen ist, hängt extrem vom Standort der Universität ab“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. Das Ranking von Empirica führt – wenig überraschend – München an, der teuersten Stadt in Deutschland – nicht nur für Studenten. Es folgen Frankfurt, Stuttgart und Hamburg. In der bayerischen Landeshauptstadt betrug der Standardpreis für ein unmöbliertes Zimmer zum Beginn des Sommersemesters 2018 bereits 550 Euro. Im obersten Preisviertel gibt es ein WG-Zimmer in München sogar erst ab 655 Euro. In Frankfurt a.M. liegen die Zimmerpreise im Mittel bei 490 Euro und in Stuttgart werden 450 Euro erreicht.

Merklich günstiger sind die Hochschulstandorte in Ostdeutschland. In Chemnitz liegt der Standardpreis für ein WG-Zimmer bei 225 Euro, in Magdeburg bei 245 Euro. „Aber auch in den neuen Bundesländern sind die Mietpreise in den vergangenen sechs Jahren deutlich stärker gestiegen als die allgemeinen Lebenshaltungskosten“, sagt Rainer Schorr. „Dabei könnte der Trend zu immer teureren WG-Zimmern auch in den kommenden Jahren anhalten.“

Denn ob WG-Zimmer oder Ein-Zimmer-Studentenapartment, besser wird die Angebotssituation in den kommenden Jahren nicht werden. Im Segment der Ein-Zimmer-Wohnungen mit günstigen Mieten fehlen laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung in den 77 deutschen Großstädten etwa 1,4 Millionen Einheiten. Erst ab 2020 werden nach Ansicht des IW Köln die Studentenzahlen zurückgehen. „Die Konkurrenz um Ein-Zimmer-Wohnungen in den großen Städten werde aber vermutlich bestehen bleiben“, sagt Rainer Schorr. „Junge Auszubildende sowie temporär in einer Stadt arbeitende Fachkräfte, aber auch die wachsende Versingelung der Gesellschaft sowie die insgesamt immer höheren Wohnkosten lassen die Zahl der Interessenten für Ein-Zimmer-Wohnungen deutlich schneller wachsen als das Angebot.“

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