Berliner Baustellen: Blick auf die Neubauprojekte in der Hauptstadt

Berlin wächst in alle Richtungen und teilweise auch über sich hinaus. Die auf vier Millionen Einwohner zusteuernde Stadt breitet sich sternförmig in das Umland, aber auch in die Höhe aus. Eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung, der hohe Fachkräftebedarf und die Attraktivität als Touristenmetropole lassen die Nachfrage nach Wohn- und Gewerberaum weiter ansteigen. An der Spree in Friedrichshain, am Potsdamer Platz, auf den letzten Brachen in Prenzlauer Berg, Lückenbebauung in Charlottenburg, Zehlendorf oder Karlshorst – die Baustellen ziehen sich quer durch die Stadt.

Vom Business-Apartment im Wohnturm über das urbane Loft bis zur Doppelhaushälfte im grünen Speckgürtel: Die Produkttypen sind so vielfältig wie die Standorte. „Trotz zunehmender Flächenknappheit und langwieriger Genehmigungsverfahren, liegen die Bauaktivitäten weiter auf hohem Niveau“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. In der Gesamtschau ergebe sich ein gemischtes Bild: „Eigentumswohnungsprojekte im Luxus-Segment, wie das wie das ‚Wave‘‘ mit Dachterrasse und Fitness-Station ‚on top‘ und das ‚Saphire’ von Daniel Libeskind kontrastieren mit kostenoptimierten, einfachen Projekten“, so Schorr.

Revitalisierung von Bürogebäuden zu Wohntürmen

Bis zum Jahr 2022 sollen in Berlin 27 Wohnhochhäuser gebaut werden, prognostiziert das Analysehaus bulwiengesa. Mit der Entwicklung des „Vertical Village“ am Halleschen Ufer hat für das Postbank-Hochhaus die Zukunft als Wohnturm bereits begonnen. Auf 18.000 Quadratmetern Nutzfläche sollen in dem 23-geschosssigen Gebäude 320 Mikro-Apartments entstehen. Für Kiezbewohner und Gäste wird im Sockel des Gebäudes zudem ein Kommunikationsraum eingerichtet. Auch Einzelhandel, Büros, Hotels sowie eine Kita finden in dem neuen Quartier Platz.

„Wohnen mit Aussicht“ wird auch im ehemaligen Bürohochhaus an der Steglitzer Schloßstraße realisiert. Das als Steglitzer Kreisel bekannte ehemalige Bürohochhaus hat seit Anfang des Jahres einen neuen Namen: „ÜBerlin“ haben die Marketingexperten der CG-Gruppe den Turm getauft. Rund 190 Millionen Euro wird der Projektentwickler in die Schadstoffsanierung und den Umbau investieren, damit Ende 2021 in Berlins höchstem Wohnhochhaus rund 329 Wohnungen fertiggestellt sind. Ganz verschwinden wird der tradierte Markenname „Steglitzer Kreisel“ allerdings doch nicht, klein gedruckt findet dieser künftig unter „ÜBerlin“ seinen Platz.

Trotz dieser Vorhaben zeichne sich in Berlin kein Hochhaus-Boom ab, ist sich der PRS-Geschäftsführer sicher. „Berlin wird in die Höhe wachsen, aber in begrenztem Maße. Angesichts teurer Anforderungen an Brandschutz, Denkmalschutz und Sicherheit sowie politischer Widerstände sind Hochhäuser derzeit nicht das bevorzugte Produktsegment, um bezahlbaren Wohnraum in der wachsenden Stadt zu schaffen“, meint Schorr. Dass Hochhausbau in Berlin zum politischen Reizwort geworden ist, zeige sich zum Beispiel auch am Alexanderplatz. Nachdem sich der Senat entschlossen hat die Runderneuerung des Alex voranzubringen, könnten schon bald die Bagger rollen. Der Antrag für ein Hochhaus-Projekt am Kaufhaus Alexa liegt bereits vor, der nach ersten Bewertungen dem Bebauungsplan entspricht. Allerdings stehen inzwischen zwei Standorte für neue Hochhäuser am Alexanderplatz wieder in Frage – Grund ist die Neubewertung der DDR-Architektur, die das ehemalige DDR-Haus des Reisens und das Haus des Berliner Verlags unter Denkmalschutz stellt.

Im Westen was Neues: Berliner Wohnkultur mit Anleihen an die Kaiserzeit

Kurze Wege und eine stilvolle Architektur in gediegener Lage hat sich das Maximilians Quartier auf die Fahnen geschrieben. Auf einem 4,7 Hektar großen Grundstück zwischen Grunewald und Kurfürstendamm im Wilmersdorfer Ortsteil Schmargendorf baut die Groth Gruppe insgesamt 973 Eigentums- und Mietwohnungen. Architektonisch Pate standen die klassisch-eleganten Wohnhöfe der späten wilhelminischen Kaiserzeit. Etwas mehr als 50 Prozent der Wohnungen sind als Mietwohnungsobjekte konzipiert, insgesamt 65 Wohnungen davon mit Preisbindung von 6,50 pro Quadratmeter. Mit den begrünten Dächer sollen sich die hufeisenförmigen Blöcke harmonisch in die grüne Umgebung in der Forckenbeckstraße einfügen.

Autofreies Quartier im Osten der Stadt

Mit den Treskow-Höfen in Berlin-Karlshorst hat die städtische Wohnungsgesellschaft Howoge aufgezeigt, dass ästhetisches, qualitatives und zukunftsweisendes Bauen nicht nur im Luxussegment möglich ist. Das generationenübergreifende, autofreie Quartier wurde mit dem Bauherrenpreis 2016 ausgezeichnet, weil aus Sicht der Jury „ein qualitätsvolles Zeichen für den Beginn einer neuen Etappe des Wohnungsbaus in Berlin gesetzt“ wurde. In dem mit Abstand größten kommunalen Bauvorhaben der vergangenen Jahre sind insgesamt 414 Wohnungen, eine Kita für 90 Kinder, zwei Senioren-WGs mit 23 Apartments und verschiedene Einzelhandelsangebote als generationsübergreifendes Quartier entstanden. Auch die Bauzeit war ambitioniert: Nur rund zwei Jahre hat der Bau dieses autofreien Mietwohnquartiers in Anspruch genommen.

Neues Wohnen in Prenzlauer Berg

Ebenfalls im Osten der Stadt, aber deutlich dichter am Zentrum liegen zwei Neubauprojekte in Prenzlauer Berg. „Nio“ heißt das Ensemble aus neun Häusern, die sich zwischen Bornholmer, Malmöer und Finnländischer Straße um grüne Innenhöfe mit Spielflächen, Ruhezonen und kleinen Wegen gruppieren. Nicht nur die nordischen Straßennamen, auch das Design der 194 Eigentumswohnungen und Townhouses ist skandinavisch inspiriert. Großstadtpflanzen, die ihre Wurzeln gerne im Grünen schlagen, fühlen sich hier offenbar gut aufgehoben. Denn nach 15 Monaten Vertriebszeit waren bereits mehr als 85 Prozent der Wohnungen vergeben. Eine variantenreiche Produktauswahl, darunter 159 Etagenwohnungen, zehn Gartenwohnungen, 21 Penthouse-Wohnungen und vier Townhouses, schafft Auswahl für unterschiedliche Lebensentwürfe.

Neue Wohnkonzepte werden in „Mein Prenzlhain“ ausgelotet, das in mehreren Bauabschnitten mit insgesamt drei Baukörpern Eigentumswohnungsbau und Gewerbe unter einem Dach vereint. Sämtliche Erdgeschossflächen lassen sich über eine Innentreppe mit der jeweils darüber liegenden Wohnung zu Maisonette-Einheiten verbinden. Auch hier korrespondiert der in der Kreativwirtschaft beliebte Kiez gut mit dem Nutzungskonzept. Jungen Professionals, Kreativen, IT-Firmen und Start-ups wird eine unkomplizierte und komfortable Kombination für Wohnen und Arbeiten angeboten.

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