Berliner Gutachter beobachten steigende Baulandpreise und befürchten Rückgang des Wohnungsbaus

Berlin, den 17.10.2018 – + 20 Prozent auf alles – außer in sehr guten Lagen wie beispielsweise in Grunewald oder Dahlem, wo die Preise für Grundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser in diesem Jahr etwas langsamer steigen. Dort kostet der Quadratmeter Bauland aber inzwischen auch schon bis zu 2.200 Euro, weshalb ohnehin niemand mehr Villen oder Einfamilienhäuser in diesen Vierteln baut. Diese Einschätzung von Thomas Sandner, Leiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in Berlin, lässt erkennen, dass bei den Preissteigerungen für Grundstücke in und um Berlin noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Bis wenigstens 2020 werde die Party weiter andauern, sagte Sandner dem TAGESSPIEGEL (13.10.2018) wobei sich der Preisanstieg leicht abschwäche.

Sandner macht im Interview mit Ralf Schönball die niedrigen Zinsen und den derzeitigen Anlagedruck für den Preisboom bei Berliner Immobilien verantwortlich. „Alle Arten von Kapitalsammelstellen – Versicherungen, Rentenkassen, Hedge-Fonds – investieren zurzeit in Immobilien und besonders gerne in Berlin. Es gibt wenig Alternativen auf dem Kapitalmarkt. Vermögende Familien und Berliner Haushalte kommen dazu. Käufer von Eigentumswohnungen oder Eigenheimen sind zur großen Mehrheit Berliner Privatpersonen.“ Sandner ist der Auffassung, dass nur eine Wende in der europäischen Zinspolitik die Nachfrage kurzfristig beeinflussen könne.

Zugleich sieht er die Gefahr, dass der Wohnungsbau in Berlin mittelfristig stagnieren oder gar zurückgehen könnte. Seit der Änderung des Berliner Modells der kooperativen Baulandentwicklung müssten 30 Prozent der gebauten Wohn-Geschossfläche zu sozialverträglichen Mieten angeboten werden. Davor schreckten viele Bauträger zurück. Denn dann würde sich der Bau von Wohnungen nicht mehr rechnen. Die Entwickler setzten daher zunehmend auf Bürohäuser. Zumal die Büromieten deutlich stärker steigen würden als die Wohnungsmieten.

Zurzeit realisierten die Bauträger noch solche Projekte, die nach dem alten Berliner Modell genehmigt wurden. Dafür müssten nur 25 Prozent der Wohneinheiten, was etwa nur rund 15 Prozent der Wohn-Geschossfläche entspricht, für Mieten um 6,50 Euro je Quadratmeter vergeben werden.

„Die Gängelung durch den Berliner Senat ist nur ein Grund, warum in Berlin demnächst weniger Wohnungen gebaut werden könnten“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. „Ein weiterer ist das knappe Angebot an Grundstücken für den privaten Wohnungsbau. Beide Faktoren führen dazu, dass Bauträger ihren Fokus immer stärker auf die Umlandgemeinden richten. Vor allem an Standorten mit günstiger Verkehrsanbindung nach Berlin werden längst nicht mehr nur Einfamilienhäuser gebaut.“

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