Druck auf deutsche Wohnungsmärkte hält an – Berlin mit stärkstem Nachfrageüberschuss

Für die Wohnungssuchenden sind es keine guten Nachrichten, die Engel & Völkers jüngst in einer Studie präsentiert hat: Der seit Jahren wachsende Druck auf die Wohnungsmärkte in den sieben deutschen Metropolen hält weiter an, trotz aller Bemühungen der verantwortlichen Wohnungspolitiker. Für ihre Untersuchung im Zeitraum von 2008 bis 2017 haben die Researcher des Maklerhauses den Bevölkerungszuwachs und den Wohnungsneubau mit Bezug zur durchschnittlichen Haushaltsgröße in Frankfurt, Berlin, München, Hamburg, Köln, Stuttgart und Düsseldorf berechnet. Danach ist das Wohnraumdefizit in Berlin am stärksten gestiegen, da dort in dem untersuchten Zeitraum die Bevölkerung um 181.820 Personen zugenommen hat, jedoch lediglich 61.642 neue Wohnungen errichtet wurden. Berücksichtigt man die Haushaltsgröße von im Schnitt 1,71 Personen ergibt sich laut Engel & Völkers ein Nachfrageüberschuss von mehr als 76.000 Personen. An der zweiten Stelle rangiert Köln. Trotz eines Bevölkerungswachstums von 8,5 Prozent sei die Anzahl der jährlichen Neubauten zwischen 2008 und 2017 kaum gestiegen, sie lag 2017 mit 2.079 sogar deutlich unter dem Zehnjahresschnitt (2.813).

„Eine hinreichende Bautätigkeit gibt es aktuell nur in Hamburg“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. „Dort gibt es eine vergleichsweise rege Bautätigkeit und der Bevölkerungszuwachs ist geringer als in den anderen Topstädten.“ In München und Frankfurt ergibt sich laut Engel & Völkers das Problem, dass zwar viel neuer Wohnraum geschaffen wurde, die Bevölkerung wachse aber so stark, dass der Nachfrageüberschuss dennoch zunehme. „Die Urbanisierung in Deutschland ist eine Tatsache, für die wir nicht wirklich gerüstet sind“, sagt Rainer Schorr. „Dies zeigt sich schon beim Zuschnitt eines Bundesministeriums, das neben der inneren Sicherheit auch den Schutz der Heimat den Wohnungsbau als Randkompetenz umfasst. Impulse für den Wohnungsbau in den Städten sind von dieser Seite kaum zu erwarten.“

Der zu geringe Wohnungsbau lässt die Angebotsmieten in Deutschland überproportional steigen. Laut E&V-Analyse liegen die durchschnittlichen Werte in allen untersuchten sieben Topstädten bereits über 10 Euro je Quadratmeter. Spitzenreiter ist München mit 17,11 Euro je Quadratmeter. „Es bleibt eine Herausforderung, dem wachsenden Bevölkerungsdruck mit entsprechender Neubautätigkeit zu begegnen und den zuziehenden Menschen eine Partizipation an den wirtschaftlichen und kulturellen Angeboten der Großstädte zu ermöglichen“, sagt Rainer Schorr. „Mittelfristig ist allerdings nicht mit einem Abflachen des Mietpreisniveaus zu rechnen. Nahezu überall fehlt es an den für den Wohnungsbau erforderlichen Grundstücken sowie an Fachkräften und Baukapazitäten.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Buy now