Wohnungspreise in Berlin noch in 40 Jahren auf hohem Niveau

Berlin, 07.06.2019 – Wohin wird sich der Immobilienmarkt in Deutschland bis 2030 und 2060 entwickeln? Die Frage beschäftigt langfristig orientierte Investoren ebenso wie Baufinanzierer und Bausparkassen. Die Schwäbisch-Hall-Stiftung „bauen-wohnen-leben“ hat an der Universität Freiburg zu dieser Frage eine wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag gegeben. Erstmals ist die Entwicklung der Wohnflächennachfrage und der Immobilienpreise in Deutschland über einen Zeitraum zum Jahr 2060 wissenschaftlich untersucht worden.

Das paradoxe Ergebnis: Trotzdem die Bevölkerungszahl zurückgeht, steigt die Nachfrage nach Wohnraum weiterhin an. Der Trend zu kleineren Haushalten hält die Nachfrage für Jahrzehnte hoch und konterkariert damit den demografischen Wandel. Im Bundesschnitt wird die Nachfrage nach Wohnraum 2060 noch um rund 10 Prozent über dem Niveau von 2015 liegen, so die Uni Freiburg.

So steigt die Haushaltszahl bis 2030 um fast sechs Prozent, im Jahr 2060 liegt sie dann auf nahezu vergleichbarem Niveau wie heute. Die Gründe dafür sind mehr Single-Haushalte und ein größerer Wohnflächenbedarf pro Person. Die Wohnfläche pro Person steigt voraussichtlich weiter an von derzeit 45 qm auf knapp 49 qm bis 2030. Die Deutschen werden laut Studie auch auf längere Sicht alle Wohngebäudetypen (Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser) kräftig nachfragen.

Die Forscher haben zwei gesellschaftliche Trends ausgemacht, warum die Nachfrage nach Wohnraum weiterhin zunimmt. Erstens: Die Zahl sowohl der Ausbildungs- als auch der Rentnerhaushalte nimmt zu. Junge Leute verlassen nach Schulabschluss ihr Elternhaus zu Studien- oder Ausbildungszwecken und wechseln dafür oft in eine so genannte Schwarmstadt mit mindestens einer Hochschule. Auch der Berufsstart führt meist zur Gründung eines kleinen eigenen Haushalts. Hinzu kommt: Im Rentenalter wohnen mehr ältere Menschen länger allein als früher – und dieser Trend hält weiter an. Beide Bevölkerungsgruppen tragen also dazu bei, dass die Haushalte zwar kleiner aber auch mehr werden. „Die steigenden Wohnkosten zeugen von wachsender Mobilität und vom wachsenden Wohlstand der Gesellschaft“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust. Als Folge steigen die Immobilienpreise bis 2030 weiträumig im gesamten Bundesgebiet und bis 2060 vor allem in Metropolregionen und begehrten Lagen, insbesondere in Süddeutschland. Preisrückgänge seien demnach lediglich in strukturschwachen Landkreisen zu erwarten.

Die anhaltende Zuwanderung nach Deutschland (gerechnet wird mit 200.000 pro Jahr Nettozuwanderung) treibt insbesondere die Wohnraumnachfrage in Großstädten und dort in Mehrfamilienhäusern. In Berlin verlaufen die Preisprognosen daher weiter nach oben.

Laut Kaufpreisspiegel der LBS Nord sind in Berlin gebrauchte Eigentumswohnungen seit 2016 pro Jahr um rund 13 Prozent teurer geworden. Im Vergleich zu anderen Großstädten ist die Hauptstadt mit einem mittleren Quadratmeterpreis von 4190 Euro jedoch noch immer relativ günstig. „Wohnungssuchende stehen daher auch weiter vor der Frage, ob ein Kauf nicht von vorneherein die bessere Alternative zur Miete wäre“, sagt Rainer Schorr. „Denn auch die Mieten steigen weiter.“

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