Büromarkt Berlin: Wer wachsen will, muss weit voraus denken

Berlin, 17. Juni 2019 – 2023, das sind noch vier Jahre. Woher sollen beispielsweise Startups wissen, ob sie bis dahin ein neues Büro brauchen? Klar, insbesondere jüngeren Unternehmen fällt es oft schwer, belastbare Prognosen über ihr Wachstum und den Bedarf an neuen Mitarbeitern, Lagerfläche oder Büroarbeitsplätzen anzustellen. Tatsache ist aber auch: Wenn sie in Berlin arbeiten wollen, bleibt ihnen nicht wirklich etwas anderes übrig, als sich auf die Auswirkungen des Büromangels einzurichten.

Denn Deutschlands Hauptstadt ist beliebt. Immer mehr Unternehmen, Startups, aber auch größere Player wollen in Berlin ihre Zelte aufschlagen. Bei einer aktuellen Leerstandsquote von nur 1,5 Prozent kann der Büromarkt aber schon heute der Nachfrage kaum noch gerecht werden. Doch welche Entwicklung ist in den kommenden Jahren zu erwarten und was sollten Bürosuchende beachten?

Die angespannte Situation auf dem Berliner Büromarkt wird deutlich, wenn man sich die ersten Marktberichte für 2019 anschaut: Kaum Büros stehen leer. Laut Colliers werden zwar rund 495.000 Quadratmeter Bürofläche in diesem Jahr fertiggestellt – diese waren aber bereits im Januar zu 75 Prozent vermietet. Und 2020 sieht es nicht besser aus. Zwar kommen 839.000 Quadratmeter Bürofläche neu auf den Markt – davon ist aber bereits jeder zweite Quadratmeter vermietet.

„Der Flächenbedarf der Unternehmen in Berlin kann nur durch mehr Neubau, mehr Baugrundstücke und rasche Genehmigungsverfahren gestillt werden“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. „Denn schon jetzt übersteigt die Nachfrage bei Weitem das Angebot.“

Colliers International hat den geplanten Fertigstellungen eine Bürobeschäftigungsprognose gegenübergestellt und zwei Szenarien entwickelt, die zeigen, wie sich der Berliner Markt bis 2023 entwickeln könnte. Szenario 1 unterstellt, dass innerhalb der nächsten vier Jahre rund drei Millionen Quadratmeter Bürofläche zusätzlich auf den Markt kommen. Dazu müssten allerdings wirklich alle geplanten Projekte fristgerecht fertiggestellt werden. Das betrifft solche, die sich im Bau befinden ebenso wie jene, die momentan noch in der Planung oder Vorbereitung sind.

Wahrscheinlicher ist Szenario 2, wonach Bürosuchende eher mit 2,2 Millionen Quadratmetern neuer Bürofläche rechnen sollten. Und selbst das hält Rainer Schorr für optimistisch. „Baukapazitäten und Grundstücke mit Baugenehmigung stehen in Berlin nicht in dem erforderlichen Umfang zur Verfügung. Realistisch könnten daher eher 1,9 Millionen Quadratmeter bis 2023 sein.“

Zudem sei die Vorvermietungsquote extrem hoch. „Das bedeutet für Unternehmen, dass sie sich schon heute um einen Mietvertragsabschluss für 2023 kümmern sollten“, so Rainer Schorr. Für einen demnächst erhöhten Flächenbedarf sorgten auch öffentlichen Hand sowie mehrere finanzstarke Großunternehmen wie Volkswagen oder Lufthansa. So wird der zusätzliche Bedarf des Landes Berlin sowie des Bundes aktuell auf 200.000 Quadratmeter beziffert.

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