Comeback für die Sonderabschreibung: Motor für den Neubau?

Berlin, den 01. Juli – Mit dem Wohnungsmangel erlebt die erhöhte Sonderabschreibung nach Paragraf 7b-EstG jetzt Neuauflage. Denn die Große Koalition hat im Rahmen ihrer „Wohnoffensive“ einige Instrumente neu geschaffen oder wie im Fall des Paragrafen 7b-EstG wiederbelebt, um den Wohnungsneubau in den Ballungsgebieten zu fördern. Neben Baukindergeld und der Verlängerung der Mittel für den sozialen Wohnungsbau gehört auch eine befristete Sonderabschreibung bis Ende 2021 dazu. Diese soll nach dem Beschluss des Bundesrates am vergangenen Freitag zusätzlich zur linearen Abschreibung in Höhe von zwei Prozent eine steuerliche Entlastung in Höhe von fünf Prozent jährlich über vier Jahre hinweg ermöglichen. Ziel ist es, vor allem den Neubau von Mietwohnungen im unteren Preissegment zu fördern. Daher müssen die begünstigten Flächen nach Fertigstellung mindestens zehn Jahre lang vermietet werden.
Nach der Abstimmung kann das Gesetz nun kommen. Und damit dürfte auch zeitnah die vorgesehene Baukostenobergrenze für die Inanspruchnahme der Sonderabschreibung von zuletzt geplanten 3.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche auf 3.500 Euro erhöht werden.

Sonder-AfA für Entspannung auf dem Mietwohnungsmarkt
Als Zielgruppe dieser regional und zeitlich limitierten Subventionierung nimmt die Politik private Investoren in den Blick. Die Förderung beschränkt sich auf Regionen mit besonders angespanntem Wohnungsmarkt, der an den Mietstufen der Wohngeldverordnung (IV bis VI) festgemacht wird. Zudem werden Gebiete gefördert, in denen Mietpreisbremsen oder eine abgesenkte Kappungsgrenze für Mieterhöhungen gelten. „Die Sonderabschreibung wird den freifinanzierten Wohnungsneubau zusätzlich beflügeln“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. Die steuerlichen Anreize kämen vor allem privaten Investoren zugute, die eine Wohnung kaufen oder bauen, um sie dann zu vermieten. „Dies ist eine positive Entwicklung für die Baukonjunktur. Die größte Herausforderung besteht aktuell allerdings darin, geeignetes Bauland zu finden, besonders in den Ballungsgebieten“, erläutert Schorr. Die Sonder-AfA werde zu einer erhöhten Baulandnachfrage und damit zu steigenden Preisen führen.

Sonder-AfA versus höhere Grundstückspreise
Auch das Forschungsinstitut Empirica erwartet ein Nachfrageplus nach Bauland durch die Sonderabschreibung. Wo regional bereits hohe Preise existierten, werden diese sich noch weiter erhöhen, so die Prognose der Empirica-Experten. Denn zusätzliche Investitionen wirkten zumeist preistreibend.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion zeigte sich beim Beschluss des Gesetzes Ende 2018 überzeugt, dass mit der steuerlichen Förderung Druck aus dem Mietwohnungsmarkt genommen und Entlastungen im unteren und mittleren Mietpreisbereich erreicht werden könnten. Zur dauerhaften Entlastung des Wohnungsmarktes käme zwar nur eine Anhebung der linearen AfA von zwei auf drei Prozent in Frage, dies sei aber aktuell nicht darstellbar, da hiermit Haushaltsausfälle von rund vier Milliarden Euro verbunden wären.

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