Bevölkerungsentwicklung: Der Speckgürtel profitiert von der Stadtflucht

Berlin, 05. Juli – Berlins Bevölkerung wies auch im Jahr 2018 ein deutliches Bevölkerungswachstum auf. Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mitteilte, erhöhte sich die Zahl der Einwohner um 31.300 Personen im Vergleich zum Vorjahr 2017 auf nunmehr 3.644.826. Dies entspricht einem Wachstum von 0,9 Prozent. Trotz des starken Anstiegs handelt es sich um die geringste Steigerung seit dem Zensus 2011. Zum Vergleich: in den vergangenen fünf Jahren wuchs die Hauptstadt um durchschnittlich 47.700 Personen pro Jahr.

Als Haupttreiber des Wachstums erweist sich nach wie vor die Zuwanderung nach Berlin. 180.000 Zuzüge stehen 151.000 Fortzügen gegenüber, was einen Wanderungssaldo von +29.000 ergibt. „Neben dem beliebten Lebensflair und den guten Ausbildungsmöglichkeiten in Berlin zieht vor allem der Berliner Arbeitsmarkt viele Menschen in die Metropole an der Spree“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der Family Trust GmbH. „Der hohe Personalbedarf in den Unternehmen und die lebendige Start-Up-Szene Berlins erweisen sich als Magnet für junge, gut ausgebildete Menschen aus der ganzen Welt.“

Der Beitrag zum Bevölkerungswachstum durch die natürliche Bevölkerungsbewegung, die sich aus der Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen errechnet, fällt mit einem Plus von 4.300 Personen vergleichsweise gering aus.

Dem positiven Saldo von 31.300 Personen stehen 16.706 fertiggestellte Wohnungen gegenüber. Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 1,8 deckt dies nicht einmal den Wohnraumbedarf der Neu-Berliner – ganz zu schweigen vom Abbau des von der Investitionsbank Berlin (IBB) auf 135.000 Einheiten bezifferten Wohnungsdefizits. So bleibt der Druck auf dem Berliner Wohnungsmarkt weiterhin bestehen, was keine guten Nachrichten für Mieterinnen und Mieter bedeutet. „Anstelle alle Anstrengungen darauf zu richten, den Neubau von Wohnungen weiter zu forcieren und so für Entlastung auf dem Wohnungsmarkt zu sorgen, hofft der Senat durch einen verfassungstechnisch zumindest fragwürdigen „Mietendeckel“ das Problem der steigenden Mieten zu lösen“, so Schorr.

Die Folgen des Wohnungsdefizits und der steigenden Mieten sind mittlerweile deutlich im Berliner Umland spürbar und schlagen sich auch statistisch nieder. Denn neben Berlin verzeichnet auch das Land Brandenburg eine steigende Bevölkerungszahl. Ende 2018 lebten hier 2.511.917 Menschen und damit 7.900 Personen mehr als im Vorjahr. Auch in Brandenburg erweist sich die Zuwanderung als die treibende Kraft des Wachstums. Dabei profitiert die Mark in hohem Maße vom Fortzug aus der Bundeshauptstadt. Der positive Wanderungssaldo von 20.800 Personen speist sich zu gut drei Vierteln (15.900 Personen) aus einem Wanderungsgewinn gegenüber Berlin. Vor allem verkehrstechnisch gut angebundene Gemeinden im Speckgürtel Berlins erweisen sich verstärkt als alternative Wohnstandorte für ehemalige Hauptstädter.

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