Zuzug aus Berlin stimuliert Brandenburgs Wirtschaft und Immobilienmarkt

Der Trend ist deutlich: Fast 33.000 Menschen verlegten 2018 ihren Wohnsitz von Berlin nach Brandenburg, nur 17.000 taten dies in umgekehrter Richtung. Das ergibt einen Wanderungssaldo von 16.000 Menschen allein für 2018. Seit 2010 summiert sich der positive Wanderungsüberschuss gegenüber der Hauptstadt auf 78.139 Personen. Die große Zahl der Neu-Brandenburger bringt viele positive Entwicklungen für die Zielgemeinden mit sich, denn mehr Menschen bedeuten in der Regel mehr Konsum, mehr Steuereinnahmen und, da es sich bei den Zuziehenden häufig um junge Familien handelt, eine Stabilisierung der demographischen Struktur.

Besonders der Speckgürtel profitiert

Zwar wuchs in den zurückliegenden Jahren parallel zur steigenden Einwohnerzahl in Brandenburg auch das Pendleraufkommen – 2013 pendelten noch knapp 190.000 Menschen nach Berlin, 2018 waren es mit gut 215.000 bereits 14 Prozent mehr –, doch wollen nicht alle einen täglichen Arbeitsweg von über einer Stunde in Kauf nehmen und schauen sich deshalb vermehrt in der direkten Umgebung nach einer Anstellung um. So profitiert der brandenburgische Arbeitsmarkt vom Zuzug aus der Spreemetropole. Seit 2018 hat sich die Arbeitslosenquote im Bundesland um 2,1 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent verringert. In den Landkreisen des Berliner Speckgürtels liegen die Quoten zum Teil weit unter der Fünf-Prozent-Marke. Zugleich wächst die Wirtschaft der Mark deutlich und im Fünfjahresvergleich sogar stärker als der Bundesdurchschnitt (2,28 Prozent gegenüber 1,94 Prozent). „Denn mit den Zuzüglern kommen nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch immer mehr Unternehmen. Die hohen Gewerbemieten in der Hauptstadt, die gute Anbindung vieler brandenburgischer Gemeinden und zum Teil auch die geringeren Gewerbesteuersätze veranlassen Unternehmer sich im Umland niederzulassen“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. Zwar hat sich laut Statistik die Zahl der Unternehmen in Brandenburg seit 2013 insgesamt verringert, jedoch ist dies ausschließlich auf einen Rückgang von kleinen Betrieben mit bis zu neun Mitarbeitern zurückzuführen. Die Anzahl größerer Unternehmen hat sich dagegen deutlich erhöht.

Zuzug führt zu neuen Herausforderungen

Der anhaltend hohe Zuzug hält auch Herausforderungen für die betreffenden Gemeinden bereit. „So muss frühzeitig die notwendige Infrastruktur geschaffen werden, sowohl im Hinblick auf die Verkehrsanbindung und den ÖPNV, als auch hinsichtlich Schulen, Kindergärten, Ärzten und Krankenhäusern, um den positiven Trend nicht abzuwürgen“, so Schorr. „Und natürlich muss auch der entsprechende Wohnraum geschaffen werden. In einigen Umlandgemeinden hat die Leerstandsquote bereits das Berliner Niveau erreicht und auch die Mieten ziehen spürbar an. Um einem ähnlichen Preisauftrieb wie in Berlin zu entgehen, sollten die Gemeinden weiter Bauland ausweisen und den Schulterschluss mit der privaten Bauwirtschaft suchen, denn nur Neubau verhindert Versorgungsengpässe und unverhältnismäßige Preissprünge.“

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