„Berlins Infrastruktur muss konkurrenzfähig bleiben“

Berlin kommt mit dem Ausbau des Angebots an Kita-Plätzen nicht hinterher und verpasst sein selbstgestecktes Ziel. Eigentlich sollten 30 Kitas mit insgesamt 3.400 Plätzen in modularer Holzbauweise bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 durch die öffentliche Hand errichtet werden. Davon werden aber nur neun mit 1.200 gebaut und dazu noch später fertiggestellt als zunächst geplant. Anfänglich hatte das Land Berlin versucht, das Kitaplatzproblem allein zu lösen, doch das erste Vergabeverfahren endete im Februar 2019 ohne, dass ein Bauunternehmen ein Angebot abgegeben hat. Mittlerweile gibt es zwei Firmen, die jedoch nur die besagten 1.200 Plätze bauen werden. Die übrigen 2.400 Kita-Plätze sollen jetzt freie Träger, sprich die Privatwirtschaft, realisieren.

„Dies ist nur kleines Beispiel dafür, wie die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen mal wieder von der wirtschaftlichen Realität eingeholt wird. Bau- und Planungskapazität lassen sich nicht per Beschluss herbeiführen“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. „Wichtig für Berlin ist, dass angesichts des starken Zuzugs der vergangenen Jahre die Infrastruktur ausgebaut wird, um weiterhin attraktiv zu bleiben. Denn die hohe Lebensqualität ist es, die die Menschen veranlasst, in die Hauptstadt zu ziehen. Und die Leute, die nach Berlin kommen, sind gleichzeitig auch Triebfeder des wirtschaftlichen Aufschwungs der Hauptstadt.“

Neben den Kita-Plätzen gab es bereits im August Aufregung um 26.000 fehlende Schulplätze zum Schuljahr 2021/2022. Und auch beim Wohnungsbau musste Bausenatorin Lompscher das Verfehlen der Zielmarkt von 30.000 neuen Wohnungen bis 2021 sowie von 5.000 Studentenwohnungen eingestehen. Nicht nur das Verfehlen der selbstgesteckten Ziele ist allen Projekten gemein, sondern die Haltung, das alles sei ohne die Privatwirtschaft zu schaffen.

„Aus meiner Sicht kann die Weiterentwicklung der lebenswerten Metropole Berlin nur gemeinsam gelingen“, so Schorr. „Berlin weist zwar seit Jahren einen positiven Wanderungssaldo auf, jedoch steigt die Zahl der Menschen, die jährlich ins Berliner Umland ziehen, an. Das liegt einerseits sicherlich an den vergleichsweise hohen Wohnkosten in der Spreemetropole. Andererseits machen die Lebensqualität und die gut ausgebaute Infrastruktur der Umlandgemeinden der Hauptstadt langsam Konkurrenz. Hier sollte Berlin sich nicht den Rang ablaufen lassen und seinen eigenen Erfolg gefährden. Berlins Infrastruktur muss mit den Menschen mitwachsen, um konkurrenzfähig zu bleiben.“

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