Wohnraummangel für Studierende in Brandenburg angekommen

Berlin muss aufpassen, dass es seine Zukunft nicht verspielt. Denn schon seit Jahren fehlt es an Wohnungen auch und besonders für Studierende. Dabei sollte die Hauptstadt alle Anstrengungen unternehmen, um angehende Akademiker weiterhin nach Berlin zu locken, denn Wirtschaft und Standorte befinden sich im „War for Talents“. Gut ausgebildete Fachkräfte sind in unserer Wissensökonomie Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Derzeit funktioniert das aufgrund des Coolness-Faktors der Metropole an der Spree noch ganz gut. Die Zahl der Studierenden steigt von Jahr zu Jahr und ist kurz davor, die Marke von 200.000 zu überschreiten. Die Frage ist nur, wie lange dies noch so funktioniert. „Denn auch Studentinnen und Studenten müssen irgendwo wohnen und angesichts einer Leerstandsquote auf dem Wohnungsmarkt von unter zwei Prozent wird es für sie immer schwieriger, eine passende Unterkunft zu finden“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH.

Berlin baut zu wenig Studentenwohnheime

Viel getan zur Verbesserung der Situation hat sich indes nicht. Als Stadtentwicklungssenatorin Lompscher im August dieses Jahres dem Berliner Senat den Zwischenbericht zum Wohnungsneubau der städtischen Wohnungsbaugesellschaften vorstellte und verkündete, dass bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2021 nur 26.000 der geplanten 30.000 Wohnungen fertiggestellt werden würden, erregte das viel Unmut. Dabei ging beinahe unter, dass die Erfüllungsquote für die geplanten Wohnheimplätze für Studierende weitaus geringer ausfiel. Lediglich 734 der geplanten 5.000 Wohnungen konnten bislang gebaut werden. Das entspricht einem Anteil von 15 Prozent. Das Berliner Studierendenwerk zählt derzeit 9.158 Wohnheimplätze. Das macht bei 192.129 immatrikulierten Studierenden eine Versorgungsquote von gerade einmal 4,8 Prozent. „Den Rest regelt der reguläre Wohnungsmarkt. Investoren haben die Unterversorgung in diesem Marktsegment als Investitionschance erkannt und bauen seit einigen Jahren in Berlin vermehrt Studentenwohnheime“, so Schorr.

Versorgungsmangel auch in Brandenburg angekommen

Nicht nur in Berlin erschwert die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt Studierenden die Wohnungssuche. Auch im Berliner Umland und in den brandenburgischen Universitätsstädten hat sich die Versorgungslage verschärft, wenn auch regional sehr unterschiedlich. Laut Umfrage der dpa ist die Situation insbesondere in Potsdam sehr angespannt – gut die Hälfte aller brandenburgischen Studentinnen und Studenten sind an der Universität Potsdam eingeschrieben. Auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt fehlt es allerdings vor allem an Einzimmerwohnungen. An anderen Universitätsstandorten wie Cottbus oder Frankfurt (Oder) ist die Versorgungslage nicht ganz so dramatisch. Doch auch hier wird günstiger Wohnraum speziell für Studierende geschaffen, um diese in die eigene Stadt zu locken.

Verschiedene Nachfragegruppen treten in Konkurrenz um verbliebenen Wohnraum

Im kleinen Städtchen Wildau am Berliner Stadtrand haben sowohl Gemeinde als auch Investoren ebenfalls den Bedarf erkannt. In der Kommune mit gut 10.000 Einwohnern sind mehr als 3.500 Studierende an der Technischen Hochschule Wildau eingeschrieben. Und da weder in Wildau selbst noch im angrenzenden Berlin das Wohnraumangebot ausreicht, hat das Versorgungswerk Potsdam entschieden, ein Studentenwohnheim mit 118 Plätzen zu errichten. Zudem baut ein privater Projektentwickler 260 Studentenapartments in direkter Nachbarschaft zur Technischen Hochschule. „Die verstärkten Bauaktivitäten in Brandenburg zeigen, wie sich der Wohnraummangel bereits in das nähere Berliner Umland ausgebreitet hat. Da es mittlerweile jedes Jahr viele Berliner in den Speckgürtel zieht und die Leerstandsquoten in den Umlandgemeinden sehr niedrig sind, treten hier verschiedene Nachfragegruppen um den verbliebenen Wohnraum in Konkurrenz zueinander. Das bietet Investoren natürlich vielfältige Möglichkeiten“, so Schorr.

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