Berlin lässt München in Sachen Wettbewerbs­fähigkeit hinter sich

Berlin vor München – das gibt es nicht oft. Im aktuellen Städteranking der Wettbewerbsfähigkeit der 30 größten Städte Deutschlands, welches das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) in Zusammenarbeit mit der Privatbank Berenberg veröffentlicht hat, belegt die Bundeshauptstadt nur knapp vor Leipzig erstmals Rang 1. In den beiden vorangegangenen Untersuchungen 2017 und 2015 stand München noch an der Spitze.

Berlin mit höchster Wettbewerbsfähigkeit

Das Städteranking setzt sich aus drei Indizes zusammen: dem Trendindex, der die gegenwärtige wirtschaftliche Situation bewertet, dem Demografieindex, der die zukünftige demografische Entwicklung beurteilt, und dem Standortindex, welcher sich auf Standortfaktoren wie Bildung, Innovation, Internationalität sowie Erreichbarkeit bezieht. Berlin konnte insbesondere mit einem starkem Bevölkerungswachstum, dem höchsten Anstieg bei der Erwerbstätigkeit und einer deutlichen Steigerung der Produktivität punkten. Und auch die positiven Prognosen bezüglich Einwohnerentwicklung und Erwerbstätigkeit schlagen positiv zu Buche. „Die Hauptstadt ist aus ihrer Lethargie erwacht und hat in den vergangenen zehn Jahren eine einzigartige Entwicklung hingelegt“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH.

Wohnungsmarktpolitik gefährdet Erfolg

Besonders Menschen im Ausbildungsalter und junge Akademiker suchen in Berlin ihr Glück, was für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit von zentraler Bedeutung ist, denn Fachkräfte sind der entscheidende Faktor für eine positive wirtschaftliche Entwicklung. „Um Berlins Attraktivität insbesondere bei dieser bedeutsamen Zielgruppe aufrecht zu erhalten, bedarf es eines funktionierenden Wohnungsmarktes, auf dem adäquater, leistbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Es wäre tragisch, wenn die Zukunft der Hauptstadt durch eine verfehlte Wohnungspolitik verspielt wird“, so Schorr. Denn so richtig will der Neubau in Berlin nicht in Fahrt kommen. Im Zeitraum von Januar bis August 2019 lag die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Damit wird 2019 voraussichtlich das dritte Jahr in Folge mit einem Rückgang sein.

Brandenburg profitiert von Knappheit

Das knappe Wohnraumangebot in Berlin hat bereits Konsequenzen, die der Politik als Alarmsignal dienen sollten. Der Einwohnerzuwachs, der maßgeblich durch Zuzug getrieben wird, ist im ersten Halbjahr 2019 um gut ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Ob das an zu hohen Wohnkosten, fehlenden Kita-Plätzen, maroden Schulen oder langen Wartezeiten in den Behörden liegt, sei mal dahingestellt. Gewinner sind jedenfalls die brandenburgischen Gemeinden im Berliner Umland. Im Gegensatz zur Hauptstadt gewinnt das Einwohnerwachstum in Brandenburg an Dynamik, was wiederum den Wohnungsbau in den Kommunen befeuert und diese zu interessanten Investmentzielen macht. „Projektentwickler suchen schon seit einiger Zeit vermehrt Grundstücke im Speckgürtel Berlins und die Verfügbarkeit, besonders von baureifem Land, verringert sich zusehends. Folgerichtig sind die Baulandpreise in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen, liegen aber weit unter Berliner Niveau. Da Bauland vielerorts Kostentreiber Nummer eins beim Bauen ist, ermöglicht das moderate Niveau in Brandenburg Wohnraum zu erschwinglichen Miet- und Kaufpreisen zu realisieren. Die Wanderungszahlen verdeutlichen, dass das für viele Berlinerinnen und Berliner ein schlagendes Argument ist“, so Schorr.

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