Berlin wird dichter: Gestiegene Grundstücks­preise motivieren Eigentümer zu Überbauung von „Flachmännern“

Berlin, 20.12.2019 – Die enorme Wohnungsnachfrage in Berlin führt nicht nur zu steigenden Preisen, sondern auch dazu, dass die Nutzungen von vielen Grundstücken überdacht und optimiert werden. Bestes Beispiel sind die bislang vielfach eingeschossigen Einzelhandelsimmobilien, die zunehmend mit Wohnungen überbaut werden. In Berlin gibt es über 300 dieser sogenannten Flachmänner. Viele mit einem Parkplatz, groß genug damit auch unbedarfte Autofahrer den Wocheneinkauf mit dem Familienkombi oder SUV erledigen können. „Etwa 30.000 Wohnungen könnten auf diesen Grundstücken gebaut werden“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH: so wie beispielsweise in der Pappelallee 45 – 53 im Prenzlauer Berg, wo am 12. Dezember Richtfest für 240 Wohnungen gefeiert wurde.

Auch dort befand sich vor Kurzem noch ein Kaisers-, dann ein REWE-Markt in einem 70er-Jahre-Flachbau. Nun ist in der Wohnstraße in Prenzlauer Berg eine Häuserfront in die Höhe gewachsen. Ende 2020 wird unten ein neuer, größerer REWE einziehen. Besonders dicke Betonpfeiler und Deckenteile müssen die sechs darüberliegenden Geschosse tragen. Die mehrgeschossige Grundstückausnutzung oberhalb von Läden ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Das bestätigte auch die Stadtentwicklungssenatorin beim „Supermarktgipfel“ im vergangenen Jahr. Mit ihrer Überbauung könnte in der wachsenden Stadt Platz für Wohnungen, Büros, Praxen und soziale Einrichtungen geschaffen werden, hieß es damals.

Auch wenn ein Umbau viele Vorteile bring, heißt jedoch nicht, dass die Aufstockung der Flachmänner in Berlin ein Selbstläufer ist. „Einzelhändler mögen keine Säulen in ihren Verkaufsflächen, die lassen sich im Falle einer Überbauung aber nicht vermeiden“, sagt Rainer Schorr. „Hinzu kommt die Verlagerung der wichtigen Parkplätze in eine unübersichtliche Tiefgarage, die manchen Kunden abschreckt. Und zuletzt bedeutet der Abriss und Neubau immer auch einen etwa zweijährigen Umsatzausfall, den kein Einzelhändler einfach hinnimmt.“ So können die meisten Märkte erst zum Ende der in der Regel wenigstens zehnjährigen Mietverträge überbaut werden.

„Dass sich eine Überbauung für Eigentümer und Einzelhändler langfristig trotzdem lohnt, hat viel mit den gestiegenen Grundstückspriesen und dem knappen Bauland in Berlin zu tun“, sagt Rainer Schorr. „Erst seit kurzer Zeit sind in Berlin Neubaumieten erzielbar, durch die sich die aufwendige Statik einer Einzelhandelsüberbauung finanzieren lässt.“ Darüber müssten die Ketten, um in Berlin weiter wachsen zu können, Zugeständnisse gegenüber den Bezirken als Genehmigungsbehörden machen. „Wenn die Unternehmen nicht beim Wohnungsbau kooperieren, gibt es weniger Genehmigungen für den großflächigen Einzelhandel und damit kaum noch Chancen auf ein weiteres Wachstum.“ So einfach ist das manchmal in Berlin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Buy now