Umland braucht Infrastruktur

Ob Berlin, Hamburg, Frankfurt oder München, der Weg ins Umland ist für viele Menschen ein Kompromiss. Man will eigentlich in der Stadt wohnen und dort am liebsten ruhig und grün und auf möglichst großer Fläche – oder gleich mit der Familie raus aufs Land mit Tieren für die Kinder. Gründe zur Entscheidung für die Peripherie sind in der Regel das eingeschränkte Angebot in den Städten sowie die dort vorherrschenden hohen Preise, die der Finanzierung räumlicher Ansprüche im Wege stehen. Denn die Flächenbedürfnisse der Haushalte steigen stetig. Bei anhaltender Landflucht bedeutet dies, dass vor allem junge Menschen so nahe an die Stadt ziehen, wie sie es sich wirtschaftlich leisten können. Dabei ist Nähe vor allem durch den Arbeitsweg und damit durch die Verkehrsanbindung ins jeweilige Stadtzentrum definiert.

Politische Anreize ziehen Menschen ins Umland

Die Politik ist gegenüber dem Umland im Zwiespalt und agiert keineswegs eindeutig. Zum Bau oder Kauf eines Eigenheims in den Speckgürteln ermuntert einerseits die staatliche Unterstützung. Vom Baukindergeld bis zur Pendlerpauschale gibt es eine ganze Reihe von wirtschaftlichen Anreizen, die ihre Wirkung vor allem außerhalb der begehrten Großstädte entfalten. Eine Förderung von 12.000 Euro je Kind beispielsweise reicht bei den aktuellen Preisniveaus in Großstädten nicht mal aus, um die dortige Grunderwerbsteuer zu finanzieren. Im Umland ist da oft schon ein Teil des Kinderzimmers bezahlt. Auf der anderen Seite befürchten beispielsweise die Grünen, das Baukindergeld würde den Flächenverbrauch in Deutschland weiter ankurbeln. Der soll aber nach dem Willen der Bundesregierung bis 2030 auf 30 Hektar pro Tag gesenkt werden. Aktuell werden noch 58 Hektar täglich für neue Siedlungen, Gewerbeflächen und den Straßenbau in Anspruch genommen.

Bessere Infrastruktur für das Umland

Bleibt der wohnungswirtschaftliche Rahmen, wie er ist, darf man den Kampf gegen den Flächenverbrauch allerdings als politisches Feigenblatt für Wählergruppen in den Großstädten verstehen. Die Realität hinter der Stadtgrenze sind Doppelverdiener-Haushalte mit Kindern und zwei Autos für die täglichen Wege zu Arbeit, Schule, Vereinen und zum Einkauf. Das heißt: Eine Politik, die Menschen mangels Angebots und mittels Anreize ins Umland treibt, sollte auch für ein hinreichendes Mobilitätsangebot sorgen – mit verbesserten Straßen- und Bahnanbindungen oder mit Gewerbeansiedlungen an den Rändern, durch die der tägliche Weg in die Stadt obsolet wird. Eine vorausschauende Infrastrukturplanung, die agiert und nicht nur reagiert, verbindliche Rahmenbedingungen für eine stärkere Zusammenarbeit von Städten und Umlandgemeinden bei Infrastrukturprojekten und ein klarer politischer Wille, die Lebensbedingungen im Umland der Großstädte zu verbessern, wären dazu ein erster Schritt.

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