Berlin wächst kontinuierlich von innen nach außen

Berlin, 14.04.2020 – Die starke Nachfrage nach Wohnungen in der Innenstadt lässt die Wohnungsmieten und -preise im Zentrum Berlins weiter steigen. Laut Bericht der IBB wurden freie Wohnungen innerhalb des S-Bahnrings „fast flächendeckend“ zu Kaltmieten von 12 Euro je Quadratmeter und mehr angeboten. Grund ist der starke Zuzug von außerhalb in die Stadt. „Neuberliner drängt es vor allem in die Innenstadt“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. „Vor allem in Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg suchen und finden sie ihr neues Zuhause.“ Besonders stark vertreten sei unter den Zuzüglern die Altersgruppe der 18- bis unter 30-Jährigen. Ein Alter, in dem die meisten lieber im quirligen Zentrum, als am ruhigeren Stadtrand oder gar im Umland leben wollten.

Anders verhalten sich die Menschen, die bereits seit längerem in Berlin leben. „Sie orientieren sich vom Zentrum eher in die Außenbezirke, also dahin, wo es meist grüner und ruhiger ist“, sagt Rainer Schorr. Das lasse sich am sogenannten Binnenwanderungssaldo ablesen, der Auskunft über die Umzüge über die Bezirksgrenzen hinweg gebe. Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg, aber auch Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln verlieren danach unterm Strich Bewohner an andere Bezirke der Stadt. Am stärksten gewinnen Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg bei Umzügen innerhalb der Stadtgrenzen.

Was den Wegzug aus der Berliner Stadtmitte erleichtert: Anders als andere Städte, die nur ein Zentrum haben, verfügt Berlin aufgrund seiner Historie über eine polyzentrale Struktur. Von Spandau bis Hellersdorf, von Lichtenrade bis Frohnau gibt es Ortszentren mit städtischem Leben. In den Außenbezirken finden sich zudem noch vergleichsweise häufig preiswertere Wohnungen – vor allem in Spandau, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Dort lag der Anteil von Wohnungen, die für Mieten unter sieben Euro je Quadratmeter angeboten wurden, im vergangenen Jahr zwischen 14 Prozent (Spandau) und 30 Prozent (Lichtenberg).

Die Angebotskaufpreise für Eigentumswohnungen in Berlin liegen derweil im Schnitt bei 4.777 Euro je Quadratmeter, ein Plus von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Blick auf die Bezirke ergibt sich ein ähnliches Bild wie bei den Mieten. Die Angebotspreise für Wohnungen in Charlottenburg-Wilmersdorf und in den Innenstadtlagen von Mitte sind mit 5.223 Euro beziehungsweise 5.274 Euro je Quadratmeter (im Median) am höchsten. Am unteren Ende liegen Marzahn-Hellersdorf und Spandau mit 2.899 Euro beziehungsweise knapp 3.000 Euro je Quadratmeter.

„Der Trend von hohen und steigenden Preisen im Zentrum und niedrigeren aber ebenfalls steigenden Preisen am Rand dürfte in Berlin auch in den kommenden Jahren noch anhalten“, sagt Rainer Schorr. Betrachtet man den Zeitraum von 2009 bis 2018, ist die Einwohnerzahl Berlins laut IBB-Bericht um 11,2 Prozent auf 3,7 Millionen gewachsen. Das ist der höchste Stand in der Nachkriegszeit. An Einwohnern gewonnen haben in dieser Zeit insbesondere die nordöstlichen Bezirke sowie die Innenstadt. Den höchsten Zuwachs verbucht auch bei dieser Betrachtung der Bezirk Mitte mit einem Plus von 17,2 Prozent, mit
weiterhin hoher Wanderung in die Randbezirke.

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