Berliner Büromarkt trotzt Corona

Berlin, 11. Mai 2020 – Die Vermietung von 87.000 Quadratmeter an die Deutsche Rentenversicherung zeigt, von Stillstand und mangelnder Flächennachfrage sind die deutschen Büromärkte weit entfernt. Der Vertrag ist einer der größten in Deutschland abgeschlossenen Mietverträge und unterstreicht die wachsende Bedeutung des Berliner Teilmarktes Mediaspree. „Wo vor 20 Jahren die Fähnchen der Gebrauchtwagenhändler im Ostwind wehten, werden heute bis zu 35 Euro je Quadratmeter gezahlt“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust.

Zugleich stützt die Anmietung der weithin sichtbaren Treptowers die These von der weitgehenden Resilienz der deutschen Büromärkte. Entsprechend sieht eine Untersuchung des Immobiliendienstleisters Colliers für das kommende Jahr nur moderat steigende Büroleerstände in den sieben großen Büromärkten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Hauptgründe seien die hohen Vorvermietungsquoten und das aktuell sehr niedrige Leerstandsniveau.

Derzeit liegt der Büroleerstand in den Top-7-Städten bei durchschnittlich 2,9 Prozent. Bedingt durch die aktuelle Coronavirus-Krise könnten diese, je nach Szenario, auf 3,9 Prozent bei einer schnellen Erholung der Wirtschaft, um 4,6 Prozent bei einer mittleren Erholung und um 5,5 Prozent bei einer langsamen Erholung steigen. Dabei werde die „gesunde“ Leerstandsschwelle von 5 Prozent laut Colliers in der Mehrheit der Städte auch im pessimistischsten Szenario nicht erreicht. Es sei keine Rückkehr zu Dotcom- und Finanzkrisen-Höchstständen zu erwarten, heißt es in der Pressemitteilung.

Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Städten, die für Frankfurt und Düsseldorf im Jahr 2021, in deren Folge diese Städte deutlich erhöhte Leerstände aufweisen: im schlimmsten Szenario bis auf 10 Prozent in Frankfurt und auf 7,2 Prozent in Düsseldorf. Aber auch derzeit, beziehungsweise im ersten Quartal 2020, sind dort die Leerstände mit 5,3 Prozent und 6,9 Prozent relativ hoch. Die Quoten der anderen Top-7-Städte liegen im ersten Quartal 2020 dagegen nur zwischen 2,0 Prozent und 2,9 Prozent. Selbst im schlimmsten Szenario steigen die Büroleerstände nur auf Werte zwischen 4,5 Prozent und 5,5 Prozent. Berlin schneidet in beiden Punkten besonders gut ab. Die Büroleerstände liegen hier aktuell bei 1,2 Prozent und die Vorvermietung beträgt etwa 80 Prozent. Im schlimmsten Fall rechnet Colliers in der Hauptstadt daher mit 4,5 Prozent Büroleerstand.

Auch bei der Entwicklung der Mietniveaus zeigt sich Colliers grundsätzlich optimistisch und prognostiziert lediglich „leichte Anpassungen“ nach unten, wobei die Spitzenmieten etwas stärker unter Druck geraten könnten als die Durchschnittsmieten. Darüber hinaus erwarten die Analysten für 2021 einen stärkeren Anteil an Vertragsverlängerungen im Vergleich zu Neuanmietungen.

„Das aktuelle Marktgeschehen bestätigt die geringe Korrelation von Aktien- und Immobilienmärkten sowie die vergleichsweise niedrige Volatilität von Immobilieninvestments“, sagt Rainer Schorr. Das gelte besonders bei einem im Vergleich zur Nachfrage geringen Flächenangebot, wie das derzeit am Berliner Büromarkt vorzufinden sei. Dieser dürfte sich auch in den kommenden Monaten als äußerst robust gegenüber den Auswirkungen der Coronavirus-Krise erweisen.

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