Sicher ist, was Versicherungen kaufen

Berlin, 6. Juli 2020 – Die vergangenen Jahre waren sicher sehr gute Jahre für die Immobilienwirtschaft. Das zeigt sich unter anderem auch in den Immobilieninvestments der Versicherungen. Mitte 2019 war die Immobilienquote der von EY für die Assekuranzstudie befragten 24 führenden Versicherer erstmals zweistellig. In diesem Jahr hat sie mit 10,8 Prozent einen neuen Rekordwert erreicht. „Den Trend steigender Immobilienquoten bei den Versicherern gibt es seit etwa zehn Jahren“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Familiy Trust. „2009 war das Jahr des niedrigsten Standes mit 6,0 Prozent. Seitdem sorgen das Niedrigzinsumfeld und die Anforderung, stabile, regelmäßige Zinserträge oberhalb des risikolosen Zinses zu erwirtschaften, für ein wachsendes Interesse an Immobilieninvestitionen.“

2020 gaben 70 Prozent der Befragten Versicherer an, dass Immobilien aufgrund des herrschenden Anlagenotstandes für sie nahezu alternativlos seien. „An Motivation und Gemengelage ändert auch die COVID-19-Pandemie wenig“, sagt Rainer Schorr. „Für 2020 erwarten die Versicherer Renditen von 3,2 Prozent bei direkt und 5,2 Prozent bei indirekt gehaltenen Immobilien, wobei etwa zwei Drittel des Immobilienbestandes direkt gehalten werden.“

COVID-19 macht Logistik zur begehrtesten Nutzungsart

Deutliche Veränderungen gibt es allerdings bei den Nutzungsarten. Besonders begehrt bei den Versicherern sind aktuell Logistikimmobilien: 83 Prozent der Befragten legen ihren Fokus hierauf. Auch Wohnimmobilien, die 75 Prozent der Teilnehmer im Fokus haben, bleiben weiterhin attraktiv. Im Vorjahr hatten 74 Prozent der Befragten hier einen Schwerpunkt gesetzt. „Anders sieht es bei den Nutzungsarten aus, die von der Pandemie unmittelbar betroffen oder eventuell gefährdet sind“, sagt Rainer Schorr. „Büroimmobilien, die bislang das bevorzugte Segment der Versicherer waren, verlieren offenbar an Attraktivität.“ Während im Vorjahr noch alle Befragten ihren Fokus auf Büroimmobilien legten, sind es derzeit nur noch 73 Prozent. Noch drastischer stellt sich die Lage im Einzelhandels- und Hotelimmobiliensegment dar: Einzelhandelsimmobilien werden – wie auch Gesundheitsimmobilien – nur von 35 Prozent der Teilnehmer nachgefragt. Noch weiter abgeschlagen ist der Hotelimmobiliensektor: Lediglich sieben Prozent der Versicherer legen hierauf einen mittleren Fokus. 

Potenziale der Baulandentwicklung noch weitgehend unbekannt

„Die Entwicklung von Bauland findet dagegen, trotz erwiesener Resilienz noch weitgehend ohne die Versicherer statt“, sagt Rainer Schorr. „Ertragschancen und Diversifizierungsmöglichkeiten sind zwar für die Assekuranz grundsätzlich interessant, doch fehlen die für die Aufsichtsgremien erforderlichen Benchmarks. – es gibt praktisch noch kein Berichtswesen, dass die Entwicklung von Grundstückspreisen bundesweit und über Jahrzehnte dokumentiert. Und das obwohl Deutschland mit seinen Gutachterausschüssen die organisatorischen Voraussetzungen dafür hat.“ Viele instutionelle Investoren wüssten daher gar nicht, welche Potenziale die Landentwicklung biete.

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