Suburbanisierung ist ein wichtiger Trend

Berlin, 24.08.2020 – Vom Land ins Umland, so etwa lassen sich die Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands in den vergangenen 20 Jahren zusammenfassen. „Nachdem seit 2010 fast alle deutschen Großstädte einen deutlich positiven Wanderungssaldo und damit eine spürbare Bevölkerungszunahme verzeichneten, flacht diese Bewegung augenblicklich wieder ab“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. Das liege zum einem daran, dass der Zustrom von jungen Menschen aus strukturschwachen Räumen langsam verebbt. „Wo es kaum noch Familien mit Kindern gibt, ist auch das Abwanderungspotenzial gering.“ Zum anderen führte der Nachfrageüberhang von Wohnungsuchenden und – bedingt durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld – Investoren zu sprunghaft steigenden Wohnungspreisen und -mieten. Zunächst in den Innenstädten und verzögert, aber mit wachsender Dynamik, auch in den Randbereichen.

„Zuzug und Umzugsverhalten in den großen Städten entwickeln sich in der Regel kaskadenartig“, sagt Rainer Schorr. „Neubewohner fokussieren sich bei der Wohnungssuche auf das Zentrum, während sich bereits Heimische aufgrund eines veränderten Freizeitverhaltens und eines meist größeren Flächenbedarfs Richtung City-Rand oder darüber hinaus orientieren.“ Hinzu kommt die Preisdynamik, die für eine wachsende Attraktivität des Umlandes bei nahezu sämtlichen Bevölkerungsgruppen sorgt. „Die unzureichende Bautätigkeit im tendenziell bezahlbaren Wohnraumsektor wird wahrscheinlich auch weiterhin zu einem Nachfrageüberhang führen und demnach die Preise steigen lassen“, sagt Rainer Schorr. „Auf der anderen Seite führen infrastrukturelle Verbesserungen in den Randgebieten dazu, dass das Pendeln in die Stadt vielerorts weniger Zeit in Anspruch nimmt.“ Dies führe zu einer höheren Mobilitätsbereitschaft, die den Trend ins Umland unterstützt. Die ländlich peripheren Regionen verlieren hingegen weiter an Einwohnern. Daraus ergibt sich die Frage, inwieweit sich diese Trends zukünftig entwickeln werden. Ist die Phase einer anhaltenden Urbanisierung gestoppt und wird daher der suburbane Raum weiterhin das Ziel verstärkter Wanderungsbewegungen sein? Eine Untersuchung des Immobiliendienstleisters Catella bestätigt diese Annahme. Demnach ist von einem weiteren Wachstum der Großstädte zwischen 2020 und 2030 auszugehen, das jedoch weitaus weniger dynamisch verläuft als im zurückliegenden Jahrzehnt. Auf der anderen Seite wird bei detaillierter Betrachtung einiger ausgewählter Regionen in den Speckgürteln der Großstädte deutlich, dass die dortigen Städte und Gemeinden zwischen 2018 und 2020 teilweise starke Bevölkerungszuwächse verzeichnen konnten. Dabei wird der Trend ins Grüne längst nicht mehr nur von Familien mit knappen Budgets und großen Flächenbedürfnissen vorangetrieben. „Außer den 18- bis 30 jährigen wandern aktuell praktisch alle Alterskohorten ins Umland“, sagt Rainer Schorr.

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