Homeoffice heißt nicht kein Office

Berlin, 31.08.2020 – Ein Virus verändert die Arbeits- und Lebenswelt. 73 Prozent der Unternehmen, die in der Pandemie verstärkt auf das Arbeiten von zu Hause setzen, planen künftig mehr davon anzubieten, wie eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter knapp 800 Personalleitern ergab. „Der Trend zu mehr Homeoffice dürfte vor allem die Wohnungsnachfrage verändern“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. „Bei vergleichsweise hoher Wohnkostenbelastung in der Stadt und demzufolge großem Preisgefälle ins benachbarte Umland, werden angrenzende Regionen für viele Menschen als Wohnort attraktiver. Aufwendungen für eine erhöhte Pendelzeit gehen zurück, weil viele nur noch an drei statt an fünf Tagen ins Büro fahren.“ Hinzu kommt, dass sich die Wohnwünsche ändern dürften: Ein Arbeitszimmer, ein Garten oder eine Terrasse lassen sich in den meisten Umlandgemeinden leichter realisieren als in der Stadt.

Die Wohnungsnachfrage um Städte wird jedoch nicht gleichmäßig wachsen. „In Industriestädten wird das Homeoffice eine geringere Rolle spielen als an Dienstleistungsstandorten“, sagt Rainer Schorr. „Bürojobs lassen sich leicht von zu Hause erledigen, während bei allem, was mit Produktion zu tun hat, Anwesenheit erforderlich bleibt.“ Angesichts des hohen Anteils an Büro- und Dienstleistungsjobs gebe es viel Potenzial für eine Verschiebung der Wohnungsnachfrage in Berlin, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt sowie in Darmstadt, Münster, Jena und Dresden.

„Wenn sich das Homeoffice durchsetzt, brauchen die Menschen allerdings Platz für ein Arbeitszimmer“, sagt Rainer Schorr. „Das schmälert die Vorteile niedrigerer Mieten oder Kaufpreise auf dem Land, könnte aber auch steuerlich geltend gemacht werden.“ Das mit dem Homeoffice auch der Bedarf an Büroflächen zurückgeht ist aus Sicht von Rainer Schorr nicht wahrscheinlich. „Der persönliche Kontakt im Büro stiftet Gemeinsinn und Identifikation mit dem Arbeitgeber“, sagt Schorr. „Zudem ist durch das Büro die Stellung der Mitarbeiter im Unternehmen auch räumlich definiert. Besonders Aufstiegswillige und Führungskräfte werden sich diese Distinktionsmöglichkeit kaum nehmen lassen.“

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