Wohlstandszonen um die deutschen Städte weiten sich aus

Berlin, 05.10.2020 – Speckgürtel ist kein schönes Wort – obwohl sich damit durchaus angenehme Perspektiven verbinden können, vor allem jetzt, wo das Homeoffice für viele Arbeitnehmer zur neuen Normalität geworden ist. Denn wer nur zwei Tage im Büro und drei Tage zu Hause verbringt, nimmt längere Fahrtstrecken in Kauf und findet im Umland leichter eine erschwingliche Wohnung als in den stark nachgefragten Innenstadtlagen. „Eine Ausweitung der Wohlstandszonen um die deutschen Großstädte herum ist damit mehr als wahrscheinlich“, sagt Rainer Schorr, Geschäftsführer der PRS Family Trust GmbH. „Das gilt insbesondere für jene Städte, denen es gelingt, ihr Verkehrsnetz mit den Bedürfnissen der Bevölkerung wachsen zu lassen.“ Denn eine Fahrzeit von 60 Minuten bis ins jeweilige Stadtzentrum scheint vielen Menschen bei der Wahl ihres Wohnortes durchaus akzeptabel.

Für den Großraum Berlin ergibt sich daraus ein sehr interessantes Bild. In Fürstenwalde/Spree, das vom Berliner Ostbahnhof in etwa 30 Minuten mit der Bahn zu erreichen ist, liegen die Haus- und Wohnungspreise um 55 beziehungsweise 53 Prozent unter dem Berliner Niveau. Aktuell sind hier 1.618 Euro/qm beziehungsweise 1.847 Euro/qm für eine bezugsfreie Wohnung oder ein Einfamilienhaus zu zahlen. Ähnlich sieht es in Jüterbog oder in Eberswalde aus, wo für Wohnungen 1.805 oder 1.709 Euro/qm gezahlt werden.

„Corona könnte somit dazu führen, dass mehr Menschen pendeln. Das bedeutet auch eine Entlastung der Innenstädte, wo sich Mieten und Preise wahrscheinlich weniger stark entwickeln werden als bisher“, sagt Rainer Schorr. „In den gut an den öffentlichen Nahverkehr angebundenen Umlandgemeinden ist hingegen mit spürbar steigenden Immobilien- und Baulandpreisen zu rechnen. Denn bei Umland denken die meisten Deutschen noch immer an ein Häuschen im Grünen, obwohl Verdichtung vor allem in den suburbanen Zentren durchaus wünschenswert erscheint.“ Denn erst bei einer hinreichenden Verdichtung würde auch die für einen hohen Wohnwert erforderliche Infrastruktur entstehen und sich beispielsweise auch Ärzte und Einzelhändler ansiedeln.

Es können keine Kommentare abgegeben werden.

Buy now